Nahe dem italienisch-slowenischen Grenzübergang bei Muggia haben wir in einem kleinen Weingut einen trockenen Malvasia-Sekt, nach der Charmat-Methode hergestellt, entdeckt, der wunderbar das Terroir des Karsts widerspiegelt. Dort wird auch ein Likör vom Refosco erzeugt. Da liegt es doch nahe, diese beiden zu einem neuen Aperitif zu kombinieren.
Der Malvasia Istriana oder Malvazija gehört zu der großen Familie der Malvasier, deren Name sich von der alten griechischen Handelsstadt Monemvasia auf der Halbinsel Peloponnes ableitet und die ihren Ursprung wahrscheinlich in Kleinasien hat. Es ist anzunehmen, dass die Insel Kreta mit der Rebe Malvasia di Candia und Ätolien-Akarnanien in Westgriechenland mit dem Malagousia die ursprünglichsten und ältesten Sorten dieser Familie stellen. Auch der istrianische Malvazija zählt zu den alten Weißweinarten. Sie wird vorwiegend im slowenischen und kroatischen Teil Istriens quasi als Hauptsorte angebaut und ist in Italien besonders im Friaul in den DOC Weinen „Carso“, „Colli Orientali del Friuli“, „Collio Goriziano“ und einigen kleineren Gebieten vertreten. Weitere Vertreter des Malvasia gibt es in vielen Regionen Italiens, in Frankreich und Spanien.
Der Refosco der Region wird in Istrien Refošk oder Teran genannt. Auf italienischer Seite des Karstes gibt es auch die Bezeichnung Terrano. Die Rebe liefert häufig säurebetonte Rotweine, kann aber auch ausdrucksstarke Weine mit intensivem Rot liefern, die beste Varietät ist der Refosco dal Peduncolo Rosso. Aus dieser Traube wird daneben ein intensiver Rotweinlikör erzeugt, der ein feines Mandelaroma und eine würzige Süße aufweist.
Und so haben wir diese beiden Weine zu einem „Kir Karst“ kombiniert. Kir und Kir Royal sind klassische französische Aperitif-Cocktails. Der Johannisbeerlikör Creme de Cassis spielt dabei die süß-fruchtige Note, während der Wein bzw. der Champagner den frischen bis säuerlichen Part übernimmt. Kir Breton ist die bretonische Variante, die mit Cidre anstelle von Champagner gemischt wird. Mittlerweise hat in unserem Freundeskreis diese neue Kreation Anklang gefunden. Und zwar so weit, dass der „Kir Karst“ schon auch in einer Weinbar erhältlich ist: Bei „Amici Miei“ auf dem Vorgartenmarkt.
Mit meinem Freund Rok, einem der Söhne des Weinguts, habe ich über den Namen des Cocktails gesprochen, den er wiederum mit einem Gastronomenfreund in Muggia diskutiert hat. Er würde den Namen „Kir Istrija“ bevorzugen, weil es für slowenische Ohren der bessere Name ist und die Region genauer beschreibt. Im Deutschen möchten wir, als Freunde der Alliteration, bei „Kir Karst“ bleiben.
Das Rezept ist denkbar einfach und findet sich hier.
Santé! Salute! Zdravo!
Mehr über Aperitif-Getränke und -Häppchen in unserem Buch „APERITIVO Infinito“, erschienen im Braumüller Verlag.